Sonntag, 27. Oktober 2013

Arroganz muss man sich verdienen, Honey.

Wie ihr meinem WochenRICblick bereits entnehmen konntet, standen vergangene Woche mehrere Premieren an, die wohl Wichtigste für mich selbst war es, Gastredner an der Münchner Akademie für Mode und Design zu sein.
Als man mich bat einen Vortrag über mein Leben als Blogger an der AMD zu halten, war ich zunächst etwas skeptisch.
Es handelte sich um das Fach Modejournalismus und die Studierenden waren bereits im dritten Semester, daher wusste ich nicht genau, ob ich mich der Aufgabe gewachsen fühle.
Ich liebe es zwar, vor Leuten zu sprechen und stelle mir das ja auch durchaus als Teil meiner Zukunft vor, aber wir alle erinnern uns nur zu gut an den desaströsen Vortrag von Sarah-Jessica Parker alias Carrie Bradshaw in Sex and the City.
Unter dem Titel Bright Lights Date City sollte sie verzweifelten Single-Frauen ein paar Tipps geben, wo und wie es ihnen gelingen würde, ihr Leben als Junggesellinnen hinter sich zu lassen und es endlich schaffen würden, an Dates ranzukommen - Carrie dachte, sie hätte ihre Zuhörerinnen bereits mit einem kleinen Auftaktsgag auf ihrer Seite und der Rest würde sich von selbst ergeben ... sagen wir es mal so - sie hat sich ein klein wenig verschätzt (es war eine völlige Katastrophe) und genau davor hatte ich auch Angst.
Als ich mich dann aber doch dazu überwunden hatte, diesen Vortrag zu machen, beschloss ich diese Angst mit den Studenten zu teilen und ihnen dann ein wenig von meinem Werdegang als Blogger zu erzählen und meine Anfänge als Radiomoderator von 'Ricci's Welt' im zarten Alter von 14 Jahren Revue passieren zu lassen.
Während es durchaus ein paar interessierte Studentinnen gab, die das, was ich sagte, vielleicht nicht unbedingt sofort zerreißen wollten, gab es jedoch die ein oder andere Vertreterin der Kategorie 'Ich bin 24 Jahre alt und studiere im 3. Semester-was könnte ich noch von dir lernen?'.
Ich sprach weiter und war an dem Teil meines Vortrags angelangt, an dem ich ich meine Zuhörer mit drei Tipps vertraut machen wollte, die sich aus 1. Wiedererkennungswert, 2. Ehrgeiz und 3. Kontaktfreudigkeit zusammensetzten.
Bei dem Punkt angekommen, an dem ich erklärte, dass jeder Blog heutzutage eine Botschaft und einen roten Faden braucht, um langfristig interessant zu bleiben, wechselte ich meinen Schwerpunkt und begann mit dem Thema, das der Dozentin (und Journalistin) Natasha Binar sehr am Herzen lag - Interviews.
Ich führe Interviews seit ich 14 Jahre alt bin (und gebe seit einem Jahr mindestens genauso viele, wie ich veröffentlicht habe) und erinnere mich noch sehr gut an meine holprigen ersten Gehversuche in diesem Bereich - heute, sechs Jahre später und nach der Veröffentlichung von Interviews mit Stars wie Thomas Gottschalk, David Hasselhoff, Bonnie Strange oder auch einfach der Besitzerin meines Lieblingssecondhandshops, fühle ich mich dem Ganzen durchaus mehr gewachsen. Natürlich war ich mir der Tatsache bewusst, dass ich es nicht mit 14 jährigen Möchtegern-Journalisten zu tun hatte (wie ich es damals war), sondern mit Studenten der AMD, einer Uni, die als Einzige in Deutschland das Fach Modejournalismus anbietet.
Ich beschloss daher, sie ihr Selbstbewusstsein für sich selbst sprechen zu lassen und formulierte eine Aufgabe.
Nicht etwa, um mir zu zeigen, was sie drauf haben oder auch nicht, sondern mehr, um es ihnen selbst vor Augen zu führen.
Arroganz muss man sich eben auch erst verdienen...
Im Vorhinein hatte ich erklärt, dass es bei Blog-Interviews oder Interviews im Allgemeinen darum geht, ehrliche und besondere Antworten von seinem Partner zu bekommen, damit sich diese im Anschluss nicht wie Standardantworten lesen, wie sie in jedem beliebigen Modemagazin zu finden sind.
Man sollte auf seinen Interviewpartner eingehen und sich speziell Fragen widmen, die sich mit der Person als Individuum beschäftigen - damit kommen wir auch schon zu meinem Beispiel:
'Ihr trefft Sara Nuru auf einem Event und seid Journalisten, die sie befragen sollen, bitte denkt an das, was ich euch gerade gesagt habe und stellt keine Fragen, die ein Model Tag für Tag zu hören bekommt'

Ich bekam darauf genau eine einzige Beispielfrage gestellt und die lautete: 'Was war nach GNTM?'
An sich keine schlechte Frage, allerdings ist die Antwort ja nicht schwer zu erraten, da man ihre Karriere mitverfolgen konnte.
Nach dieser Aufgabe und rund 60 Minuten war ich am Ende meines Vortrags angekommen und bei normalen Studenten, die vielleicht noch nie ein echtes Interview führen mussten, hätte ich mir nichts weiter dabei gedacht, allerdings erwarte ich mir persönlich nach einer solchen Frage an Studenten, die der Meinung sind, dass sie von 20 jährigen Quereinsteigern nichts lernen können, mehr als nur betretenes Schweigen.
Die letzte Frage bezog sich darauf, was ich in meinem Alter und meinen Qualifikationen, denn für eine Berechtigung hätte, Journalismus-Studentinnen zu belehren und ich muss sagen, dass die Antwort, die ich darauf gegeben habe, die einzige war, bei der ich Professionalität Direktheit vorgezogen habe.
Ich erklärte, dass ich nicht hier sei, um irgendjemanden zu belehren, sondern dass ich mehr darum bemüht sei, ein paar Tipps zu geben, für die ich selbst zu Beginn meiner Bloggerkarriere dankbar gewesen wäre... das war zwar die Wahrheit, aber stattdessen hätte ich ich sie gerne gefragt ob ihre journalistische Arbeit schon Artikel in der Süddeutschen Zeitung, Spiegel Online, der Online-Ausgabe der SZ oder auch nur irgendeinem Blog erntete oder woher sie sich sonst die Einstellung nehme, hierbei nichts mehr lernen zu können.
Alles in allem war es jedoch eine sehr positive Erfahrung, für die ich der AMD, ihren Studenten und insbesondere Natasha Binar sehr dankbar bin.
Heidi Klum hat einmal gesagt, dass man im Leben nur weiterkommt, wenn man aus seinen persönlichen Komfortzonen heraustritt und versucht, das Beste daraus zu machen.
Ich selbst habe aus diesem Vortrag eine Menge über mich selbst lernen dürfen und wenn auch nur eine einzige Studentin ein bisschen Inspiration aus meinen Worten ziehen konnte, hat sich die Rolle des Gastredners für mich schon gelohnt.


Thank you Stefani Mijatovic for the Photos of me during my Speech.

Kommentare:

  1. Lieber Ricci, ich wusste, dass du das toll meisterst! :) Und über die blöden Reaktionen und Belustigungen kannst eigentlich NUR DU lachen! lg

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  2. Studentinnen der AMD sind eben auch nur Studentinnen der AMD. ;)
    Go Ricci <3
    Lara von Kleiderkraenzchen

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  3. Lieber Ricci,

    ich versuche das Ganze einmal nicht so zu kommentieren, wie ich mich gerade fühle.
    Obwohl ich im fünften Semester Modejournalismus an der AMD studiere, war ich bei deinem Vortrag nicht dabei. Das liegt primär daran, dass sich im Moment alle Fünftsemestler im Praktikum befinden.
    Mir tut es Leid, dass du dich blöd von der Seite anreden lassen musstest, allerdings finde ich es schade, dass du daraus deine Meinung über die ganze AMD gezogen hast. Immerhin waren das nur etwas 20 Studenten.
    Zu deinem Seitenhieb muss ich sagen, dass ich, als Journalist mit Veröffentlichungen im SZ-Magazin und anderen journalistischen Publikationen, mich persönlich angegriffen fühle und es unprofessionell finde.
    Mir tut es wirklich leid, dass du so eine Erfahrung machen musstest, allerdings ist es am Ende eine Branche, in die jeder seinen eigenen Weg finden muss.
    Zu dem Teil mit der Arroganz: Es ist grundsätzlich falsch arrogant zu sein, egal was man geschafft, oder nicht geschafft hat.

    Am Ende muss ich sagen, dass ich tiefen Respekt vor jemandem habe, der so konsequent sein eigenes Ding macht.



    @kleiderkraenzchen Ich würde zu gerne auf deinen Kommentar antworten, aber ich glaube das lasse ich besser sein...

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    1. Lieber Tobias,
      wenn du aus meinen Worten gelesen hast, dass ich alle AMD Studenten über einen Kamm schere, dann tut es mir leid.
      Es war keinesfalls meine Absicht und ich dachte mir auch, dass ich das Ganze deutlich getrennt habe. (Auf der einen Seite gab es Studenten, die aufmerksam waren....)
      Außerdem ist mir ein Fehler unterlaufen, der Vortrag war im dritten Semester, da bin ich jedoch falsch informiert worden.
      Ich freue mich sehr über deine Kritik und verstehe auch deinen Standpunkt sehr gut, allerdings sehe ich diesen Post keinesfalls als Seitenhieb an, sondern einfach nur als ehrliche Erzählung von meiner Seite aus.
      Und zum Thema Arroganz: Ich habe den Titel ja auch ironischerweise gewählt und damit direkt Studenten angesprochen, die denken sie hätten das Recht darauf ohne auch nur irgendetwas geleistet zu haben.
      Ich für meinen Teil kann behaupten es nicht zu sein, wenn man es aber schon zu seinen Charaktereigenschaften zählen muss, dann sollte eben auch mehr dahinter sein.

      Um alles noch einmal zusammenzufassen, ich stehe logischerweise zu meinem Wort, wollte aber keines Falls Kritik an der AMD üben und bin mir durchaus bewusst, dass es auch Studenten gibt, die ihr Studium und die Zusammenarbeit mit anderen journalistischen Plattformen (Blogs...) sehr ernst nehmen.
      Ich hoffe du kannst meinen Worte jetzt besser nachvollziehen.

      Liebe Grüße,
      Ricci

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