Freitag, 29. November 2013

InStyle: Bekenntnisse eines Praktikanten.

INSTYLE/ INSTYLE MEN COVER Dezember 2013

Einmal Mäuschen spielen bei seinem Lieblingsmodemagazin, das ist es doch, was sich ein jeder von uns Fashionistas insgeheim wünscht, oder?
Seit nun mehr als vier Wochen darf ich diesem Wunsch bereits als Praktikant bei InStyle nachgehen und während sich so manch ein Klischee bewahrheiten sollte, war ich doch überrascht wie die Realität wirklich aussehen würde.
Zugegeben, die Gerüchte um Redaktionen von großen Modemagazinen ranken sich ins Unvorstellbare und können auch ein bisschen furchteinflössend sein, Kohlehydrate sind angeblich genauso unerwünscht, wie gefälschte Louis Vuitton Handtaschen und Modeignoranten.
Von High Heel Pflicht, strengem Dresscode und sogar einem Süßigkeiten-Verbot ist die Rede, der Teufel trägt Prada schiesst uns in den Kopf und nicht zu vergessen Enet, Carrie Bradshaw's Chefredakteurin bei Vogue und der blutende Zeitungsartikel tauchen auf der imaginären Bildfläche auf, nur um uns während einer Heisshungerattacke auf der Toilette ein schlechtes Gewissen einzureden - alles in allem könnte man sich also kein unangenehmeres Arbeitsklima vorstellen, denkt man.
Ich für meinen Teil kann behaupten das Magazin bereits zu lesen seit ich acht Jahre alt bin und konnte es trotz (oder vielleicht gerade dank?) aller Gerüchte kaum erwarten durch die heiligen Türen des Burda Verlags einzutreten, wenn ich auch gleich ein wenig Angst davor hatte, die Rolle der Betty Suarez aus Ugly Betty zu übernehmen. (Memo an mich selbst, am ersten Tag keinen Poncho tragen!)
Viele von euch werden sich jetzt sicher fragen, warum das Ganze so begehrt zu sein scheint, wenn die Modebranche doch angeblich so ein tückisches Haifischbecken ist, doc
h für jemanden, der endlich die Chance bekommt, bei dem Magazin mitmischen zu können, von dem man sich Jahr für Jahr, Monat um Monat inspirieren lassen durfte, hört sich auch nur ein Tag in dieser Welt, wie ein fleischgewordener Traum an.
Zeit also diesen Traum wahr werden zu lassen, denn der erste Tag steht an!

....ein After-Work-Selfie konnte ich mir nicht nehmen lassen

Die Erwartungen an sich selbst steigen. Man ist aufgeregt, als man in einem all-over Black Outfit (schwarze Cheap Mondays, schwarze Zirkusdirektoren-Jacke, schwarze Chelseaboots) nach nur zehn Arbeits-Minuten der gesamten Belegschaft im Büro der Chefredakteurin gegenübersteht.
Mein Blick schweift über rund 30 Angestellte, der Großteil weiblich (was auch sonst), selbstbewusst, attraktiv und in schwarz gekleidet. (und mit schwarz meine ich natürlich schwarz, grau und beige - das neue schwarz!)
 Zeit das erste Klischee zu überprüfen. Von Fashionfauxpas und überflüssigen Pfunden keine Spur.
Das könnte interessant werden. 
Mein Rundblick wurde unterbrochen, als ich freundlich gebeten wurde ein paar Worte über mich selbst  zu erzählen.
Nach der Konferenz ging es für jeden sofort wieder an die Arbeit und die Assistentin der INSTYLE MEN Ines (ich stelle sie gerne als meine Assistentin Ines vor, obwohl eigentlich das genaue Gegenteil der Fall ist haha) zeigt mir meinen Schreibtisch.
Ich richte mir  meinen Lindsay Lohan Bildschirmschoner ein und fühle mich ganz genau am richtigen Platz.
Kein schlechtes Gefühl für den ersten Arbeitstag, oder?
Am zweiten Tag habe ich dafür gleich mal ein Glas zerbrochen, bei dem Versuch heimlich eine Kekspackung zu öffnen...das sollte mir wohl eine Lehre sein.

Die erste Woche ist um...
meine Einladung zur Launch-Party der neuen InStyle Men

...und Ines hat mich mittlerweile in der ca. 20 Quadratmeter großen Männerrequisite allein gelassen.
(wobei sie genauso gut 1 oder 100 Quadratmeter groß sein könnte, da man sich auf meine räumliche Vorstellungskraft genauso wenig verlassen kann, wie auf meine Schätzungen) und ich habe das Gefühl in meinem eigenen Büro zu sitzen. (#annawintour)

der Dresscode lautete SCHWARZ / SILBER / PAILLETTEN

Auf dem Weg zur Arbeit verlaufe ich mich jetzt nur noch zwei Mal die Woche und siehe da, mittags hat sich in der Cafeteria so etwas, wie eine Mean Girls Clique (bestehend aus Julia, Larissa Fischirgendwas und Lisa von Elle und Elle Deko) gebildet (Mittwochs tragen wir pink)!
Damit hätte sich wohl das hartnäckigste Gerücht in Luft aufgelöst - man isst und das sogar ziemlich gerne!

 Beauty-Redakteurin Gloria traf ich zufällig bei Bobbi Brown

Vier Wochen sind nun seit meinem ersten Tag vergangen und das Thema Dresscode habe ich nach goldenen Leggings, Blumenhaarbändern und jeder Menge Glitter wohl entgültig hinter mir gelassen.
Die Zeit neigt sich dem Ende zu und nach einer existenziellen Krise, die dem Launch der Isabel Marant por H&M Kollektion zuzuschreiben ist, werde ich beim allmorgendlichen Gespräch über Paillettenblazer und zu enge Jeans mit meinem geschätzten noch-Kollegen Stefan, ein bisschen traurig, da ich dem ganzen wohl schon bald Lebe wohl sagen muss.
Und während die ein oder andere Flurbekannschaft vielleicht anfänglich der Meinung war, dass man sich Freundlichkeit erst verdienen müsse, ist der Großteil mittlerweile einfach nur überaus lieb.
Von unverschämt gut aussehenden Beauty-Redakteurinnen über neurotisch liebenswerten (Bulgari-) Brillenschlangen, bis zu den gestandenen Männer-Moderreakteuren haben hier alle nur ein Ziel - zu Monatsmitte das Magazin auf den Markt zu bringen, dass Fashion-Herzen regelmäßig höher schlagen lässt und uns in eine Welt entführt, in der Olivia Palermo und Co. Königinnen sind.
Hart arbeitende Redakteure, Assistenten und Stylisten hab ich mir in meiner Fantasie immer vorgestellt und noch härter arbeitende in in der Realität zu sehen bekommen.
Spätestens nachdem ich Bekanntschaft mit meiner Lieblingskollegin Emmi gemacht hatte - einer französischen Bulldogendame, wusste ich INSTYLE kann gar nicht so ungemütlich sein, wie es in Büchern, wie Evil Bitches geschildert wird.
Klar gibt es Situationen, in denen Stress überhand nimmt, doch als letztes Glied der Kette kann ich sagen, dass in diesem Haus gute Vorschläge eines Praktikanten von der Chefredakteurin genauso anerkannt werden, wie die eines ausgebildeten Redakteurs.
Und das ist etwas, das man wahrlich nicht selbstverständlich nennen kann.

 Launch der neuen INSTYLE MEN Ausgabe @ Heart - Restaurant & Bar

Ein Zustand, der mich selbst nur noch härter arbeiten lassen will um irgendwann einmal zu der Art Mensch zu werden, über den das INSTYLE Magazin berichtet und ganz egal was die Zukunft bringen mag, zu wissen einmal im Leben ein Teil des am besten verkauften deutschen Modemagazins zu sein, bedeutet mir mehr, als das ich es hier in Worte fassen könnte.
Doch wer denkt dieser Traum sei schon vorbei (und damit meine ich hauptsächlich mich selbst), wird wohl noch ein wenig warten müssen, denn soeben schlage ich Kapitel zwei auf - mein Praktikum wurde verlängert.

Fotos: Cover abfotografiert

Kommentare:

  1. Super lustiger und interessanter Artikel. Klasse gemacht Ricci :-)
    www.modepuppe-bremen.blogspot.de

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