Mittwoch, 29. Mai 2013

Sweet 16 again. - The beginnig of a hopeless Dreamer.

Neulich wollten ein paar Freunde und ich in einen Club gehen.
Einer nach dem anderen kam am Türsteher vorbei und als ich es ihnen gleich tun wollte, fragte mich dieser nach meinem Ausweis.
Dummerweise hatte ich den vergessen (oder könnt ihr mir vielleicht einen sinnvollen Aufbewahrungsort in hautengen Röhrenjeans verraten?) und mein Versuch ihm zu vergewissern, dass ich bereits 20 Jahre alt bin, hat leider auch nichts bewirkt.
Totz meiner miserablen Bestechungsversuche (die eigentlich nur meine Uhr als Pfand beinhalteten) musste ich mich geschlagen geben.
Als ich zu Hause war, konnte ich nicht aufhören über die Sache nachzudenken. Wann hatte mich eigentlich das letzte Mal jemand nach meinem Ausweis gefragt?
Das war schon eine Weile her, aber ich versuchte es (wie immer) positiv zu sehen. (was bleibt mir auch schon anderes übrig...)
Ich begann an die Zeit zurückzudenken, als ich 16 Jahre alt war, anfing auszugehen und modisch zu experimentieren, eine Zeit in der Kohlehydrate noch zu meinem Alltag gehörten und ich zum ersten Mal in den Genuss kam Musik von Newcomern, wie Lady Gaga oder Katy Perry zu hören.


Obwohl das ja nicht wirklich lange zurückliegt, kann es einem vorkommen wie eine Ewigkeit oder sogar wie ein anderes Leben.
Ich erinnerte mich an den pummeligen Jungen mit den wilden Harren und den großen Träumen. 
Man sagt 16, 17 Jahre alt zu sein ist die Zeit der ersten Male. Der erste Kuss, der erste Kontakt mit Drogen und Alkohol (wobei sich das heutzutage ja schon wesentlich früher abspielt) und vielleicht sogar der erste Sex.
Für mich war es die Zeit meines ersten Modelvertrags, meiner ersten Radiokolumne und das erste Mal eine Fernsehsendung zu moderieren - Alkohol habe ich bis heute keinen getrunken.
Meine beste Freundin und ich präsentierten ein furchtbar schlechtes Jugendmagazin auf BibelTV. Ich verdiente keinen Cent,  aber für mich bedeutete das praktisch Miley Cyrus zu sein.
Ein Jahr später (als die Sendung abgesetzt wurde), wusste ich, ich war doch nicht Miley Cyrus.
Ich trug zum ersten Mal einen Blazer in der Schule, entdeckte das Bandana als Lieblingsaccessoire und bekam mein erstes paar Dr. Martins. Ein regelrechter Skandal!
Ich war zwar noch sehr jung, über die Tatsache, dass es viele Leute gab, die mich grundlos verabscheutem, wusste ich aber schon ziemlich gut Bescheid.
Ich weiss noch wie gemein ältere Mitschüler zu mir waren und eine von ihnen mir mal den Daumen verdrehte. Ich drücke ihr im Gegenzug eine Sahnetorte ins Gesicht. (hach, ich hatte immer schon einen Hang zur Dramatik...) und auf der anderen Seite war es die Zeit, in der ich die Freundschaften schloss, die ich bis heute zu meinen engsten zähle.
Doch egal wie anders mein Leben im Vergleich zu heute aussah, alles was ich wollte war es ein Star zu sein.

Ich wollte es so sehr, dass ich nichts unversucht ließ und bemerke erst heute, wie anstrengend das gewesen sein muss.
Meine Klassenkameraden und ich waren für das Schulradio zuständig. 
Ich moderierte zunächst und bekam dann eine eigene Kolumne - Ricci's Welt.
Die Welt aus der Sicht eines 16-Jährigen, der eine Vorliebe für skandalumwitterte Schauspielerinnen und High School Musical hatte.
(Wie man sieht, alles beim alten.)

Ricci's Welt (das Ende der Sendung war übrigens der Grund, warum ich diesen Blog ins Leben rief) gab mir zum ersten Mal im Leben die Chance meinen Traum wahrhaftig kennenzulernen, mich zum ersten Mal selbst zu entfalten und das dabei auch noch durch ein Mikrophon zu nuscheln (mein Selbstbewusstsein war grandios, meine Aussprache war es wirklich nicht).
Ich saß neben Thomas Gottschalk auf der Couch bei Wetten, dass..., traf David Hasselhoff und versuchte mit einem Playmate ein Interview im Bett zu führen.
Das Alles mag sich professioneller anhören, als ich es damals war, aber schon zu dem Zeitpunkt wusste ich längst, dass mir gar nichts anderes übrig blieb, als ein Teil dieser Welt werden zu müssen.
Schulsprecher wurde ich auch noch und zu allem Überfluss wurde ich noch für ein Stück am Salzburger Landestheater gecastet. (wie das jedoch endete, habt ihr ja auch nachlesen können...)
Ich erinnere mich daran, wie müde ich immer gewesen bin und wie mir alles ein bisschen über den Kopf zu wachsen drohte. Als ich feststellen musste, dass es Projekte gab, die nicht fruchteten, ganz egal, wie viel Leidenschaft ich reinsteckte, war ich so enttäuscht und dachte mein Leben wäre zu Ende. (damit wären wir wieder bei der Dramatik...)
Ein Glück hatte ich so gute Freunde und Lehrer(!), die mich in all meiner Bandbreite an seelischen Verfassungen, akzeptierten, wie ich war - durch und durch durchgedreht. 


Vier Jahre sind seitdem vergangen und ich betrachte mein Leben aus der Perspektive meines 16 Jahre alten Ichs.
In mancher Hinsicht ein bisschen abgestumpft und reifer hat sich eigentlich gar nicht so viel verändert.
Ich lebe das Leben, von dem ich als Junge nur geträumt habe (oder zumindest arbeite immer noch wie verrückt daran) und die Eigenschaften, die mich als Menschen ausmachen, sind immer noch die selben. Sowohl die Guten, als auch die Schlechten.
16 sein - das ist gar nicht mal so einfach. Wir machen Fehler und müssen erst noch zu uns selbst finden (mit 20 müssen wir das übrigens auch noch) und manchmal ist es gut sich an diese Zeit zurück zu erinnern, denn vielleicht ist es möglich, dass uns unser innerer Teenager (ganz egal, wie der sich benommen oder gekleidet hat) daran erinnert, wie wir waren bevor Erfolg und Misserfolg, Liebeskummer und andere Konflikte unser Leben prägten. 
Eine Zeit, in der die Möglichkeiten zwar begrenzt, der Glaube aber umso größer war.
Ich glaube wir können uns alle ein Stückchen unserer 16 jährigen Ichs abschneiden.



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